Ankündigungstexte

jenseits der Rotten-Reihe:

Vorträge zur Kritischen Theorie und Psychoanalyse

15 April 2014. Erkenntnistheoretische Implikationen. Eine Einführung
Untersucht wird das Potential psychoanalytischen Denkens für die kritische Wahrnehmung individueller, gesellschaftlicher und psychischer Realität und die Beziehung von Elementen der Psychoanalyse zur kritischen Theorie, insbesondere zur wert-abspaltungskritischen Krisentheorie und zum wissenschaftlichen Denken.

29. April 2014 Jenseits von Sprache. Kommunikation des Unbewussten
Über die Bedeutung von Abspaltung und projektiver Identifikation. Das Verhältnis von Abspaltung zum Prozess der Verdrängung. Spaltung und Abspaltung in Psychoanalyse, Geschlechterverhältnis und kritischer Theorie – ein kritischer Vergleich.

13. Mai 2014 Lernen durch Erfahrung
Über Voraussetzungen dem Unbekannten zu begegnen. Zusammenhänge von Körper, emotionaler Erfahrung, Gedanke und Denken der Gedanken und der negativen Fähigkeit, Unsicherheit ertragen zu können. Eine Einführung in die Erkenntnistheorie des Psychoanalytikers Wilfred Bion.

Referent ist Thomas Koch vom Exit!-Lesekreis Hamburg.

Alle Veranstaltungen starten um 19h und finden im Centro Sociale statt.

Vergangene Veranstaltungen der Rotten-Reihe:


Ist ein grüner Kapitalismus möglich?

Zur Ideologie des “green new deal” als Krisenausweg mit Tomasz Konicz

Mittwoch, 04.12., 19h im Centro Sociale

Während die kapitalistische Produktions- und Lebensweise aufgrund innerer Widersprüche in eine tiefe Dauerkrise gerät und an der eigenen Überproduktivtät erstickt, werden nebenbei auch noch die natürlichen Lebensgrundlagen zerstört.

Der totale Wahnsinn, der dieser Zerstörung inne wohnt ist Ausdruck der Verrücktheit des kapitalistischen Systems, dessen destruktive Dynamik für die Menschen zu einer Art Naturgesetz geworden ist. Da die elementaren Gesetzmäßigkeiten dieser Gesellschaftsform nicht hinterfragt werden, können sich momentan die meisten Lösungsansätze für die ökologischen Probleme auch nur gemäß der Systemlogik entfalten.

Viele vermeintliche Auswege aus der Zerstörung können aber gerade deswegen nicht funktionieren, weil die Ursache des Problems nicht reflektiert wird. So ist bspw. mittlerweile völlig offensichtlich, dass sämtliche Regulationsversuche viel zu kurz greifen und trotzdem immer wieder nach unten korrigiert werden müssen, wenn dadurch das ökonomische Wachstum gefährdet ist.

Folglich blamiert sich ökologische Realpolitik konsequent anhand ihrer fragwürdigen Manifestationen (Abwrackpämie, Dosenpfand, Abgasplakette, etc.), während die Ökobewegung in betriebsblindem Aktionismus bzw. individuellem Ökolifestyle verharrt und teils gefährliche Ideologien ausbrütet .

Aktuell wird von den realpolitischen PraktikerInnen und den grünen FreundInnen der Realität eine Idee zur systemkonformen Weltrettung besonders hofiert: der green new deal.

Besonders attraktiv ist dieses grüne Elaborat für Viele besonders deshalb, weil es nicht nur die Apokalypse verhindern, sondern nebenbei auch noch den kriselnden Kapitalismus wieder beleben soll.

Tomasz Konicz wird diesen grünen Vorschlag zur Überwindung der Krise vorstellen und kritisieren. Außerdem wird der Frage nachgegangen, ob so etwas wie ein grüner Kapitalismus überhaupt praktikabel ist und inwiefern damit tatsächlich die gravierenden ökologischen Probleme gelöst werden könnten.

Tomasz Konicz ist Soziologe und freier Journalist. Er schreibt u.a. für Telepolis und Konkret

weitere Infos unter: konicz.info

 

 

 

 

 

Warum der Kapitalismus die Umwelt zerstören muss

Donnerstag, 14.11.2013, 19h Referat und Diskussion mit Claus Peter Ortlieb

Seit der Veröffentlichung der „Grenzen des Wachstums“ vor inzwischen mehr als vierzig Jahren wird die ökologische Krise als Grundproblem der modernen Lebensweise wahrgenommen. Allzu offensichtlich ist der Widerspruch zwischen den ökonomischen Wachstumsimperativen auf der einen und der Endlichkeit der stofflichen Ressourcen und der Aufnahmefähigkeit der natürlichen Umwelt für den Zivilisationsmüll auf der anderen Seite.

 Solange allerdings die kapitalistische Produktionsweise für so natürlich gehalten wird wie die Luft zum Atmen, ist es unmöglich, auf die Frage nach Wegen aus dem offenbaren Widerspruch von Ökonomie und Ökologie eine adäquate Antwort zu finden. Die gesamte Diskussion der Umweltkrise läuft deswegen notwendigerweise ins Leere und wirkt seltsam unwirklich, weil auf allen Seiten mit Fiktionen gearbeitet wird und bestenfalls Scheinlösungen produziert werden, weshalb die Umweltprobleme, obwohl seit vierzig Jahren bekannt, sich nur immer weiter verschärfen.

 Zur Klärung der Frage, was da eigentlich so zwanghaft wächst, werden im Referat die im Laufe der kapitalistischen Entwicklung dynamisch sich verändernden Beziehungen zwischen Mehrwertproduktion, stofflichem Output und Ressourcenverbrauch und die aus ihnen resultierenden Wachstumszwänge untersucht. Dabei lässt sich einerseits eine gemeinsame Ursache von ökonomischer und ökologischer Krise aufweisen, während andererseits die innerkapitalistischen Lösungsversuche für beide Krisen miteinander zunehmend in Widerspruch geraten.

 

 Vergangene Veranstaltungen:

 

05.11. Islamismus als moderne Krisenbewältigungsideologie. Vortrag und Diskussion mit Hannes Bode.

 

Über Islamismus und – oft im gleichen Atemzug – über (antimuslimischen) Rassismus wird in den letzten Jahren viel debattiert. Dabei wird häufig auf der Basis von kulturalistischen oder rassistischen Identitätskonstrukten argumentiert. Nur geringes Wissen und theoretische Ahnungslosigkeit korrespondieren mit dem Drang, gerade hier eine Meinung zu haben – zu „den Muslimen“ und „dem Islam“, zu Islamismus und „arabischem Frühling“, zu Traditionalität und Moderne. Gegen diese Meinungen sollten materialistische Analyse und emanzipatorische Kritik des Islamismus als moderne Krisenbewältigungsideologie stark gemacht werden.

Enstanden, zu verstehen und zu kritisieren ist der Islamismus vor dem Hintergrund kolonialer Durchdringung und kapitalistischer Vergesellschaftung. Am Beispiel der Muslimbrüder kann etwa gezeigt werden, wie Tradition erfunden und die „vorgestellte Gemeinschaft“ selbst wirkmächtig wird, der Bruch mit der Tradition geriert sich als deren Wahrung. Dem Islamisten verhelfen dabei Kollektivierung und Ressentiment zu Kontingenzbewältigung und Identität – wie übrigens auch seinem hiesigen Gegenpart, dem (antimuslimischen) Rassisten.

Ob positiv oder negativ gewendet, durch die Zuschreibung einer bestimmten Kultur bzw. Religion wird hier die Universalität des Menschseins in Frage gestellt. Ein Zugang, der diese – uns von den Verhältnissen nahegelegten – Ideologien bzw. „Alltagsreligionen“ nicht in ihrem Zusammenhang mit den kapitalistischen Verhältnissen analysiert und attackiert, ist selbst pure Ideologie. Gegen die Konjunktur von „Kultur und Identität“ und die Biologisierung des Sozialen auch in „linken“ Kreisen gilt es das Individuum und das Politische zu verteidigen, und auf die realen, materiellen Ursachen gesellschaftlicher Auseinandersetzungen und Konflikte zu verweisen. Dabei gilt es auch aufzuzeigen, dass die gegenwärtigen Zustände etwa in Ägypten oder Syrien ebenso wie die islamistische Ideologie weniger mit „Tradition“, „Ethnie“ und „Religion“, als mit modernen gesellschaftlichen Verhältnissen zu tun haben, mit Transformationen in der Peripherie des globalen Kapitalismus und ihrer „Verarbeitung“.

Hannes Bode ist Islamwissenschaftler und freier Journalist u.a. für das Antifaschistische Infoblatt und die Jungle World.

 

 

17.10.Auf dem Weg zur Volksgemeinschaft? Nationalistische Krisenbewältigung in Ungarn“ mit Holger Marcks

Große Umbrüche vollziehen sich derzeit in Ungarn. Was der seit 2010 mit einer Zweidrittelmehrheit regierende Fidesz als »nationale Revolution« bezeichnet, ist Ausdruck einer völkischen Agenda, die alle Bereiche der Gesellschaft erfasst hat. Dazu trägt auch die faschistische Jobbik bei, die als drittstärkste Kraft im Parlament und mit ihren Garden das gesellschaftliche Klime maßgeblich mitprägt.

 Zu den zentralen Themen beider Parteien gehört die Wirtschaftspolitik, wähnt man das Land, das bereits 2008 in die Krise schlitterte, doch im Würgegriff des ausländischen Kapitals. Entsprechend propagiert die Regierung einen „wirtschaftlichen Befreiungskampf“, den sie als Alternative zur ruinösen Krisenpolitik der EU versteht. Keine bloße Rhetorik. Tatsächlich baut der Fidesz die Wirtschaft und das Sozialsystem grundlegend um, wobei sich zunehmend Aspekte einer Volksgemeinschaft herausschälen: „Kampf gegen die Banken“, Krisensteuern für ausländische Multis, Nationalisierung von Betrieben, Entrechtung der Gewerkschaften, Arbeitszwang… Um nur ein paar Schlagwörter zu nennen. Zuletzt gipfelte diese Politik im „Rausschmiss“ des IWF aus Ungarn und der frühzeitigen Rückzahlung der Kredite. Damit ist angezeigt, dass die Regierung mit ihren wirtschaftlichen „Experimenten“, wie sie es nennt, durchaus erfolgreich sein könnte. Und darin besteht zugleich die größte Gefahr, könnte das Labor Ungarn doch eine Vorreiterrolle einnehmen und die Alternative völkischer Wirtschaftspolitik salonfähig machen.

 Der Vortrag erläutert die Hintergründe und Kernelemente der ungarischen Wirtschaftspolitik und stellt dar, wie diese von der völkischen Ideologie eingespeist ist. Er versucht sich zudem an einer Analyse, wie sich der sozioökonomische Umbau des Landes in der Tiefe des gesellschaftlichen Raums auswirkt, insbesondere welche Rolle er bei der Faschisierung des Landes spielt, aber auch, welche Bedeutung dem im europäischen Krisengefüge zukommt.

Der Referent, Holger Marcks, ist Soziologe an der Uni Frankfurt und Co-Autor des Buches „Mit Pfeil, Kreuz und Krone. Nationalismus und autoritäre Krisenbewältigung in Ungarn“ (Unrast 2013)

 

 

25.09. „Antiziganismus und Ausnahmezustand“ mit Roswitha Scholz

Antiziganismus ist ein weit verbreitetes Phänomen. In nahezu allen Staaten Europas werden Menschen als “Zigeuner” diskriminiert und oft verfolgt. In dem Vortrag werden antiziganistische Tendenzen im Zusammenhang mit neuzeitlichen Disziplinierungsprozessen und der Herausbildung der Arbeitsgesellschaft sowie deren Bedeutung heute, wenn abstrakte Arbeit obsolet wird und u.a. Hartz IV -Zangsmaßnahmen und Billiglohn drohen, analysiert. Dabei werden auch Differenzen und Parallelen zwischen Antiziganismus und Antisemitismus aufgezeigt.

Die Referentin ist Redaktionsmitglied der Theoriezeitschrift Exit! und u.a. Autorin von „Das Geschlecht des Kapitalismus“. In dem Buch „Antiziganistische Zustände“ erschien ihr Text „Antiziganismus und Ausnahmezustand“.

Support für diese Veranstaltung kommt von USP-Antirazzista. mille grazie!

 

Samstag, 19. Januar 2013, ab 14h, Centro Sociale:

Rotten-System Praxiskongress.

Zum Verhältnis von Theorie und Praxis, sowie zu emanzipatorischer Praxis in Krisenzeiten.

Kongressankündigung:

Nach unseren bisherigen Veranstaltungen wurden häufig Fragen in dem Sinne gestellt, „was denn nun zu tun sei“ und „was Mensch denn damit anfangen könne“. Diese Fragen verweisen einerseits auf die objektive Notwendigkeit einer Systemtransformation angesichts der „inneren Schranke“ des Systems und andererseits auf die Hilflosigkeit sozialer Bewegungen, dieses Wissen in adäquates Handeln umzusetzen.

Ist die Analyse jedoch zu grundsätzlich und macht allzu deutlich, dass es nicht es nicht mit kleinen oder größeren Verbesserungen so weitergehen kann, stößt sie schnell auf Ablehnung. Vor allem, wenn sie sich weigert, konkrete Handlungsanweisungen zu geben und die Alltagspraxis mit ein paar hübschen Theoriebegriffen zu beliefern, geschweige denn in jedem Protest neue revolutionäre Bewegungen zu sehen, und so über die zurzeit aussichtslos erscheinende Realität hinweg zu täuschen.

Übersehen wird dabei, dass weder das subjektive Leiden an den Verhältnissen noch der gute Wille der AktivistInnen eine revolutionäre Bewegung verwirklichen kann. Denn es gilt nicht nur die Produktionsbedingungen umzuwerfen, sondern zuerst die Denkformen zu untersuchen und zu durchbrechen, die von diesen Verhältnissen hervorgebracht werden und sie zugleich hervorbringen. Ansonsten werden diese Verhältnisse nur auf anderer Ebene reproduziert oder fallen hinter bereits Erreichtes zurück.

Kritische Theorie ist also Voraussetzung emanzipatorischer Praxis. Sie ermöglicht erst, über die im Denken verinnerlichten und naturalisierten Formen des kapitalistischen Alltags hinaus zu kommen, also gegen die Normalität zu denken.

Hier offenbart sich ein Mangel vergangener linker Bewegungen, deren Kritik nicht über die bestehenden Verhältnisse hinaus wies, so dass sie sich immer wieder in ihnen einrichteten bzw. sich anschickten sie zu moderieren und zu modernisieren. Heute scheinen jedoch systemimmanente Kämpfe weder möglich zu sein, noch zu einem besseren Leben hier noch sonst wo führen zu können, da die kapitalistische Produktions- und Lebensweise selbst an ihre Grenzen stößt (Erklärungen hierfür finden sich bspw. in unseren vergangenen Veranstaltungen). Weder Revolutionspathos, Nostalgie oder die verständliche Hoffnung, doch noch an der kapitalistischen Reichtumsproduktion teilhaben zu können, werden zu einem guten Leben für alle führen.

Die Revolution, „das Einfache, das schwer zu machen ist“, setzt ein gesellschaftliches Bewusstsein voraus, das die Überwindung von Arbeit, Geld, geschlechtlicher Abspaltung, Markt, Staat und Nation denken kann, und dabei alle Formen biologistischer und sozialdarwinistischer Ideologiebildung wie Sexismus, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus kritisch aufdeckt und abweist.

Ohne einen globalen Bewusstseinswechsel und, in Folge dessen, einer Umwälzung aller bestehenden Verhältnisse wird die Menschheit von Barbarisierungsprozessen eingeholt werden, die sich schon jetzt auf verschiedenen Ebenen zeigen und Leid und Elend verursachen.

Ebenso ist für die Lösung ökologischer Probleme innerhalb des Kapitalismus keine Antwort in Sicht, da die destruktive kapitalistische Verwertungslogik auch die natürlichen Grundlagen menschlicher Existenz in absehbarer Zeit zerstört.

Ziel einer globalen Aufhebungsbewegung müsste es hingegen sein, jenseits kapitalistischer Machbarkeit und betriebswirtschaftlicher Borniertheit, einen bewussten Einsatz der technisch-stofflichen Ressourcen in einem nachhaltigen Stoffwechselprozess mit der Natur einzufordern. Erst dann lassen sich die drängendsten Probleme der Menschheit lösen.

Eine solche Aufhebungsbewegung ist aktuell jedoch nirgends in Sicht, wenn auch einige kritische Ein-Punkt-Bewegungen und Ansätze durchaus vorhanden sind.

Auf unserem Kongress wollen wir deshalb die Systemfrage stellen und versuchen, existierenden Widerstand zusammen zu führen und zusammen zu denken. Wir möchten verkürzte und falsche Kritikansätze analysieren, um reaktionäre vermeintliche Auswege aus aktuellen Krisenerscheinungen zu vermeiden und zu kritisieren.

Wir laden euch ein, mit uns zu diskutieren:

Wie kann eine solche Bewegung entstehen? Wo lassen sich zarte Ansätze bereits erkennen? Welche Fallen in der Analyse gibt es? Welche Ziele muss eine solche Bewegung haben? Welche Mindeststandards können wir an mögliche BündnispartnerInnen stellen? Wie können erste Schritte konkret aussehen? Wie ist das Verhältnis von radikaler Theorie und emanzipatorischer Praxis genau bestimmt? Was sind Blindstellen unserer Ansätze?

 

Die Veranstaltungen des Kongresses:

20h, Abschlusspodium mit den ReferentInnen.

18:30h, Peter Bierl: Neunundneunzig Prozent falsche Analysen. Eine Zwischenbilanz zur Occupy-Bewegung

Die Occupy-Bewegung sowie die Bewegung der Indignados in Spanien weckten 2011 große Hoffnungen auf eine neue Welle des Protests und Widerstands. Sie waren anarchistisch beeinflusst. Sie betonten den Anspruch auf eine direkte Demokratie und all jene Dinge, die Menschen zum Leben brauchen, statt den Kapitalismus irgendwie regulieren zu wollen. Anstelle des Gipfelhopping der Globalisierungskritiker pflegten spanische >Empörte< wie Occupy-Aktivisten in den USA die direkte Aktion und den zivilen Ungehorsam und griffen in Alltagskämpfe um Wohnraum, Bildung und medizinische Versorgung, für die Rechte von Flüchtlingen und Gewerkschaftern ein. Das waren erfreuliche Aspekte.

Allerdings pflegt Occupy wie viele Linke und Globalisierungskritiker einen regressiven Antikapitalismus. Zentral ist die falsche Vorstellung eines Gegensatzes zwischen Finanzkapital und >Realwirtschaft<, dass gierige Banker und skrupellose Börsianer für alle Übel der Welt verantwortlich wären. Diese Sicht wird von den bürgerlichen Medien seit Ausbruch der aktuellen Wirtschaftskrise gepflegt und entspricht einem verbreiteten Unbehagen in der Bevölkerung. Selbstverständlich sind nicht alle Vertreter solcher Ideen rechts, aber diese Vorstellungen nach rechts anschlussfähig. Die Nazis prägten dafür einst die Parole vom >schaffenden< gegen das >raffende< Kapital und identifizierten Letzteres als jüdisch.

Praktisch drückt sich das Unverständnis der Occupy-Bewegung darin aus, dass wichtige Camps an der Wallstreet oder im Frankfurter Bankenviertel stattfanden. Eine Arbeitsgruppe von Occupy Wallstreet sinnierte über eine neue >demokratische Bank< mit zinsfreiem Geld.

Der Anthropologe David Graeber entwickelte konfuse Vorstellungen über Schulden und Schuldenerlass. Statt Kommunismus und Anarchismus in ihren besseren Versionen als sozialrevolutionäre Bewegungen zu begreifen, verniedlicht Graeber Kommunismus zum zwischenmenschlichen Geben-und-Nehmen in Familie und Nachbarschaft. Anarchismus verkleinert er zum >Austausch von inspirierenden Visionen<. Seine Vision ist eine staatsfreie Marktwirtschaft mit zinsfreiem Geld. Solche Verklärungen schätzt das bürgerliche Feuilleton und feiert Graeber als Mastermind der Bewegung.

In dem Vortrag kritisiert der Journalist Peter Bierl die ideologischen Grundlagen der Occupy-Bewegung, ihre Aktionen und Strukturen sowie die Diagnosen und Perspektiven ihrer Vertreter und Bezugspersonen. Außerdem stellt er sein, jüngst im Konkret-Verlag erschienenes, Buch „Schwundgeld, Freiwirtschaft und Rassenwahn“ vor.

Infos zum Buch: http://www.konkret-magazin.de/konkret-texte/texte-archiv/konkret-texte-nr-57.html

 

17h, Elmar Flatschart zu dem Verhältnis von Theorie und Praxis.

Kritische Theorie und emanzipatorische Praxis scheinen untrennbar verbunden zu sein. Kaum jemand wird behaupten, dass Theorie völlig unnötig ist oder umgekehrt ohne Praxis ausgekommen werden kann. Dieser scheinbare Konsens entpuppt sich jedoch rasch als ein bodenloser. Denn nicht nur in einschlägigen linken Debatten, wie sie an jedem Stammtisch stattfinden, sondern auch in der realen politischen Organisation finden sich sofort mannigfaltigste Versionen des Umgangs mit dem Problem der Vermittlung von Theorie und Praxis. Nicht zu verkennen ist dabei die jeweilige Situierung der Proponent_innen: wer etwa in Grassroots-Bewegungen tätig ist hat regelmäßig eine andere Vorstellung vom Theorie-Praxis Verhältnis als jemand der_die in der akademischen Linken agiert oder in Antifa-Zusammenhängen aktiv ist. Auch wenn es in Zeiten einer pluralisierten und atomisierten „Mosaiklinken“ zuerst schwer erscheinen mag, eine Systematisierung dieser verschiedenen Positionen vorzunehmen, so lässt sich doch so etwas wie eine „Abstraktionshierarchie“ festmachen, entlang derer sich Berührungspunkte in den Ansichten auftun. Diese geht von sehr „konkret“ erscheinenden unmittelbaren Tätigkeiten, wie sie z.B. in undogmatischen linken Zusammenhängen eine Rolle spielen (VoKüs, linke Alltagspraxen und Reproduktionstätigkeiten, etc.) über abstraktere Formen der Organisation (z.B. Antifa-Grüppchen) bis hin zu großmaschigeren und institutionalisierten Organisationsverhältnissen (Bündnisse, Parteien etc.).
Gemeinsamer Nenner ist dabei die politische Form, in der sich Praxis bewegt und die theoretische Form, in welcher Reflexion über sie stattfindet. In diesen Formen spiegelt sich die Problematik von Theorie und Praxis wieder. Beide beschäftigen sich mit zahlreichen realen Widersprüchen, sind in gewisser Weise beständige (negative) „Widerspruchsbearbeitung“ (Robert Kurz) der vorgefundenen gesellschaftlichen Totalität und ihr gegenüber nicht extern. Beide stehen aber auch selbst in einem bestimmten Widerspruchsverhältnis. Im Input sollen einige Thesen über die Möglichkeit einer kritischen Bearbeitung dieser Problemstellung präsentiert werden. Die Grundannahme ist dabei, dass die Abstraktionsebenen selbst nicht rein theoretischer oder rein praktischer Art sind, sondern sich über eine (fetischistische) Matrix von historisch gewordenen „Realabstraktionen“ vermitteln. Die Aufgabe kritischer Theorie hinsichtlich emanzipatorischer Praxis ist es damit, diese Ebenen zu verstehen und zu beforschen um eigenständigen – Ebenen-adäquaten – „Theorien der Praxis“ zuzuarbeiten. Ebenso sollten Praxen diese Reflexionsleistung nachvollziehen um der jeweilige Relevanz unterschiedlicher Handlungsweisen und Strukturen abseits der eigenen Standpunktverortung gewahr zu werden. Anders als in (postmodern-)pluralistischen Ansätzen geht es dabei jedoch nicht um ein „einfaches Nebeneinander“, sondern um eine kritische Assoziation in einem Totalitätsverständnis, das Widersprüche nicht kaschiert, sondern explizit sucht und vor dem gemeinsamen Hintergrund einer integralen Gesellschaftstheorie versteht, welche die dahinterstehende fetischistische Matrix ins Fadenkreuz nimmt.

15:30h, Basisgruppe Antifa: Ohne revolutionäre Organisierung geht’s nicht.

Die Basisgruppe Antifaschismus (Bremen) und das Bundesweite Bündnis „…ums Ganze“ stellen sich vor.

Das „…ums Ganze“-Bündnis wurde Ende 2006 gegründet, um linksradikale Gesellschaftskritik überregional zu organisieren und handlungsfähig zu machen. Es geht um eine Kritik für die es weder Institutionen noch Parlamente, noch feste Verfahren gibt: Um die Kritik gesellschaftlicher Herrschaft in ihrer Gänze. Denn Herrschaft resultiert nicht aus der falschen Politik, aus Behördenwillkür oder dem angeblichen Egoismus der Menschen.

Sie ist in der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung angelegt – in der Art und Weise, wie Individuen, Unternehmen und Nationalökonomien sich im Kapitalismus tagtäglich reproduzieren müssen. Die Herausforderung besteht darin, diese verrückte Logik des kapitalistischen Alltags theoretisch und praktisch aufzubrechen. Deshalb kritisiert „…ums Ganze“ nicht nur die jeweils herrschende Politik, sondern auch die falschen Alternativen der Linken. Wir wollen keinen sozialeren, multikulturelleren oder straffer regulierten, „nachhaltigen Kapitalismus“, sondern gar keinen!

Weitere Infos unter: http://basisgruppe-antifa.org/organisieren/

14h, Exit!-Lesekreis Hamburg. Wertabspaltungskritische Überlegungen zu emanzipatorischer Praxis und der konkreten Überwindung des Kapitalverhältnisses.

Anhand einer Zusammenfassung der zentralen Aussagen dreier Texte zur Thematik, wird eine Annäherung aus wertabspaltungskritischer Perspektive versucht.

Hierbei werden 3 Themenbereiche zentral sein. Es handelt sich diesbezüglich erstens, basierend auf dem Text „Grau ist des Lebens goldener Baum und grün die Theorie“, um das Verhältnis von Theorie und Praxis allgemein, mit dem Versuch einer Abgrenzung von der bürgerlichen „Form Theorie“, die in den fetischistischen Formen und Kategorien des kapitalistischen Systems verharrt und somit keinerlei Orientierung für emanzipatorische Bestrebungen liefern kann. Demgegenüber gilt es an die marxsche Fetischkritik, sowie die Kritische Theorie anzuknüpfen um zu einer kategorialen Kritik zu gelangen, die Grundlage für konkrete Emanzipationsbestrebungen sein müsste. Ferner geht es darum konkrete Handlungsanweisung für die fetischisierte immanente Gegenpraxis zurück zu weisen und eine „Eigenständigkeit der Theoriebildung“ zu proklamieren.

Obwohl Kritische Theorie also keine Gebrauchsanweisungen für linksradikale Praxen liefern kann und will, so kann sie doch ungefähr bestimmen an welchen Punkten eine Transformationsbewegung praktisch ansetzen könnte und welche Mindeststandards sie erfüllen müsste. Basierend auf dem Text „Antiökonomie und Antipolitik“ werden zweitens konkretere Überlegungen zu einer Überwindung des Kapitalverhältnisses vorgestellt.

Drittens wird es anhand des Textes „Keine Revolution, nirgends“ um eine Einordnung aktueller Krisenproteste, „Revolutionen“  und „kommender Aufstände“ gehen.

Der Text „Grau ist des Lebens goldener Baum und grün die Theorie“ findet sich in EXIT! Nr. 4 von 2007.

Antiökonomie und Antipolitik gibt es hier: http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=autoren&posnr=17

Und „Keine Revolution, nirgends“ hier: http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=aktuelles&posnr=229

Außerdem wichtig:

Danach ist, ab 22h Kneipenabend im Centro.

Es wird über den ganzen Zeitraum Burger und Kuchen (alles vegan) geben.

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