Hier der Ankündigungstext für die Veranstaltung mit JustIn Monday am 17. Mai, 19h @ centro
Überlegenheitsgefühle integriert. Zum Wandel des Rassismus in der Krise.
Fast schon ein linker Gemeinplatz ist die Behauptung eines Zusammenhangs zwischen Rassismus und gesellschaftlicher Krise. Formulierungen wie die, dass soziale Unzufriedenheit Nährboden für Rassismus sei, oder diese in der Krise Konjunktur habe, finden sich allenthalben. Obwohl eine solche äußere Beziehung kaum von der Hand zu weisen ist, ist ein Nachweis dieses Zusammenhangs im Sinne quantitativ-empirischer Sozialforschung allerdings nicht möglich. Weder gibt es Studien, die über lange Zeiträume hinweg mit auch nur annähernd ähnlichen Kriterien messen, noch sind solche Studien auch nur denkbar. Denn Rassismus unterliegt selbst einem historischen Wandel, der es verbietet, ihn empirisch zu fixieren. Ausschlaggebend für eine Plausibilisierung des Zusammenhangs ist daher vielmehr, dass jede Erneuerung rassistischer Phantasien in Krisenzeiten fiel, und auch heute fällt. Sarrazin und Konsorten sind hier nur die jüngste Entwicklung.
Rassismus selbst allerdings, und an diesem Punkt wird es widersprüchlich, war von seinem Beginn an ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft. Antirassistische KritikerInnen bekommen diesen Widerspruch nicht nur zu spüren, wenn sie vergeblich versuchen, alle Formen des Rassismus in einem Definitionsversuch zu fassen zu bekommen, ohne bei abstrakten Bestimmungen wie „eine Form von Diskriminierung“ zu landen. Ebenso kennzeichnend ist, dass die Vorstellungen von der Krise als Nährboden des Rassismus dann, wenn versucht wird sie theoretisch zu begründen, regelmäßig zu einem Rückfall hinter die antirassistische Grundthese führt, nach der Rassismus ein gegenüber anderen Herrschaftsformen eigenständiges Herrschaftsverhältnis ist, und weder nach dem Muster der Klassendifferenzbegriffen, noch gar aus diesem abgeleitet werden darf.
Der Hinweis darauf, dass es einen Zusammenhang geben muss, ist aus dieser Perspektive dann einzig noch das dumpfe aber lautstarke Beharren der RassistInnen auf einem solchen. Etwa, wenn sie eine direkte Verbindung herstellen zwischen Einwanderung nach Deutschland und hoher Arbeitslosigkeit und daraus die Notwendigkeit der geltenden Abschiebegesetzgebung folgern. Oder, wenn die AnhängerInnen Sarrazins permanent die Geburtenrate der Eingeborenen und die Substanz der nationalen Identität vom „Islam in Deutschland“ bedroht sehen. Während die antirassistische Kritik davon lebt, weitgehend darauf zu verzichten, diesen offenkundigen ökonomischen Bezug ideologiekritisch zu deuten, ähneln die VertreterInnen der Nährboden-Lehre ihre Theorie den Rationalisierungen der RassistInnen an und halten diese bereits für eine Erklärung. Dem gegenüber wird im Vortrag die Dynamik des Wandels des Rassismus selbst untersucht werden, um diese dann in Relation zum krisenhaften Verwertungsprozess des Kapitals und seiner Geschichte zubringen. Schwerpunkt wird dabei die Sarrazindebatte sein.